Ruanda und die Fußballpartnerschaft

Im Rahmen der Aufsehen erregenden Reise einer großen Delegation rund um Ministerpräsident Kurt Beck fand auch Walter Desch als Vorsitzender des
Fußball- & Kultur-Vereins Rheinland-Pfalz 2006 Gelegenheit, die gerade begonnene Partnerschaft zwischen dem DFB und dem ruandischen Fußballverband FERWAFA zu vertiefen.

Vor 25 Jahren hatte der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Bernhard Vogel den bis heute einzigartigen Hilfspakt zwischen einem deutschen Bundesland und einem Entwicklungsland geschlossen. Die zentrale Jubiläumsfeier am 7. Juni im Awahoro Stadion zu Kigali war der offizielle Höhepunkt der Feierlichkeiten.

Für Walter Desch war es nicht der einzige Besuch in einem Stadion vor Ort. Der Präsident des Fußballverbandes Rheinland, der seit 2005 auch dem gemeinsam mit dem SWFV eigens zur WM in Deutschland gegründeten FKV 06 vorsitzt, nutzte vier seiner acht Tage zur Absprache und Orientierung.
Seit Beginn dieses Jahres leitet der FKV 06 federführend für den Deutschen Fußball-Bund die Projekte, die zur Fußball-Entwicklungshilfe in Ruanda beitragen sollen.

Personifizierter Teil dieses Programms ist mit Michael Weis ein vom Auswärtigen Amt entsandter Technischer Direktor. Der international erfahrene Fußballlehrer aus der Pfalz leitet auch als Teamchef die U18-Nationalmannschaft, die 2009 als U20 bei der Afrikameisterschaft in Kigali eine gute Rolle spielen soll.

Wie auch im eigenen Verband, denkt Ideengeber Dr. Theo Zwanziger auch für die FERWAFA an eine Stärkung der Basis sowie Investitionen in den Leistungsbereich, denn „ohne Idole kommt die Basis nicht ins Rollen.“

Diese U20 soll das Land würdig vertreten, damit Selbstbewusstsein und Identifikation weiter wachsen in einer gebeutelten Nation. „Was Fußball bewegen kann, weiß man auf der ganzen Welt spätestens seit dem vergangenen Sommer“ blickt Walter Desch für das Fußball-Partnerland optimistisch in die Zukunft.

Damit zwischen 15 und 18 Jahren kein Talent übersehen wird, soll Mitte August eine landesweite Sichtungsmaßnahme dem Technischen Direktor bei seiner Mission helfen. Dabei wird Weis von fünf deutschen Trainern unterstützt, die sich ab Anfang August für gut vier Wochen in Ruanda aufhalten werden.
Der FKV 06 sucht derzeit unter zahlreichen Bewerbern die fünf Übungsleiter aus, die dem Anforderungsprofil am besten gerecht werden.
Die Fußball-C-Lizenz und gute Englischkenntnisse sind die Basis – eine gewisse Erfahrung und Selbständigkeit die ausschlaggebenden Punkte bei der Auswahl.

Walter Desch besuchte in Ruanda alle fünf Provinzen, in denen Schulen ausgewählt wurden, die als Ausbildungszentren fungieren sollen. In den ersten drei Wochen ihres Aufenthaltes werden die fünf Trainer jeweils eine Woche pro Standort ruandische Lehrer, Lehrerinnen, Trainer und Betreuer fortbilden, damit diese die Qualifikation erhalten Fußball zu unterrichten und Überzeugungsarbeit zu leisten.

„Die Schulleiter zeigen sich sehr kooperativ und sind geradezu stolz ihr Lehrpersonal für eine Woche abstellen zu dürfen“, berichtet der DFB Beauftragte in Sachen Ruanda, „zumal die Politik öffentlich hinter diesem Sportprojekt steht.“

Unterstützt werden die deutschen Gasttrainer von den fünf ruandischen Lehrern, die im April 2007 in Koblenz einen internationalen Trainerlehrgang absolviert haben.
„Das war Sinn und Zweck dieser Maßnahme“, erläutert Desch. „Diese fünf Herren sind bestens vorbereitet und hoch motiviert.“ Mit diesen fünf C-Lizenz Absolventen feierte Desch ebenso ein Wiedersehen, wie mit Verbandfunktionären und dem ruandischen Präsidenten, Paul Kagame
„Es muss alles sehr gut vorbereitet sein – und mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, dass alle Räder rollen und sehr bald ineinander greifen werden.“

Als Beispiel nennt der FKV 06 Vorsitzende die Planungen für das Modell „Kongo“.
Wie im Nachbarland bereits erfolgreich vollzogen, wird die FERWAFA nach dem zweiten Trainingslager in Koblenz vom 12.-30. September 2007 die U18 Spieler aus ihren Vereinen herauskaufen. Die Auswahlmannschaft soll dann ab November in der 1. Division Ruandas am Ligaspielbetrieb teilnehmen.

Eine Maßnahme, die den technischen Direktor Michael Weis begeistert.
„Nur im regelmäßigen Wettkampf kann sich eine Mannschaft weiterentwickeln.“
Das Feld für die U18 ist also bestellt und die Basis wird durch die Arbeit an den Schulen mit gefördert.

Ein weiterer, dritter Wunsch des DFB ist die Entwicklung des Frauenfußballs in Ruanda, Hier werden die Grundsteine für die Zukunft ebenfalls in den örtlichen Schulen gelegt. Viel schneller können hingegen in der Spitze Erfolge erreicht werden. Michael Weis hat sich in den vergangenen Wochen ein Bild machen können und gemeinsam mit Walter Desch wurde ein positives Fazit eines Frauenfußballspiels kurz vor der Abreise der Delegation gezogen.
„Physisch sind die Frauen sehr stark. Das macht sich z.B. im Kopfballspiel extrem bemerkbar. Technisch und taktisch muss gezielt gearbeitet werden, was ab sofort forciert wird.“

Ein Trainingslager des Frauennationalteams in Deutschland ist für das Jahr 2008 bereits beschlossene Sache. Der ruandische Fußballpräsident Jean Bosco Kazura wiederholte zum Abschied der rheinland-pfälzischen Freunde seine Worte aus einer Pressekonferenz im Mai in Mainz: „Die Deutschen reden nicht nur, sie handeln!“

Mit Walter Desch war ein weiterer „Handlungsreisender“ unterwegs, um der 25-jährigen Graswurzelpartnerschaft mit Ruanda ein weiteres, erfolgreiches Kapitel einzupflanzen.