Fußball ist mehr als ein 1 : 0 – auch in Ruanda

Im Rahmen eines Pressegesprächs im Hause des Landessportbundes in Mainz, präsentierte der Fußball- und Kulturverein Rheinland-Pfalz 2006 ein Podium, das die neuen Richtlinien dieses anlässlich der Fußball WM gegründeten Vereins der beiden rheinland-pfälzischen Fußballverbände Rheinland und Südwest eindrucksvoll thematisierte. „Die Satzung unseres Vereins betont nun nach dem Sport- und Kulturevent Fußball WM 2006 speziell soziale, integrative und internationale Aspekte“, unterstrich der Vorsitzende Walter Desch die Berufung des „FKV 06“ zur Projektleitung durch den DFB. Dem Fußballsport in Ruanda wird fortan eine in dieser Form bisher einmalige Entwicklungshilfe zu Gute kommen. Maßnahmen die in der Breite greifen sollen laufen parallel zu gezielten Maßnahmen in der Spitzenförderung. „Du brauchst Idole an der Spitze, und dafür braucht man den Leistungssport“, begründet DFB Präsident Dr. Theo Zwanziger. Deshalb möchte der DFB helfen, eine starke Mannschaft für die U-20-WM 2009 in Ruanda aufzubauen.


Zurzeit hält die heutige U18 Nationalmannschaft ein Trainingslager in der Sportschule Oberwerth zu Koblenz ab. Geleitet wird das Team von DFB Trainer Michael Weiß, der sich beraten lässt von Rudi Gutendorf, dem ehemaligen Nationalcoach Ruandas. In Testspielen gegen 2. Ligisten TuS Koblenz (0 : 2), die A-Junioren des SV Wehen (1 : 2) und gegen den Oberligisten aus Wirges (3 : 0) konnten die jungen Afrikaner bisher durchaus überzeugen. Finanziert wird das derzeitige Trainingslager vom Auswärtigen Amt, „denn hier geht es um mehr als Fußball und das wird vom Auswärtigen Amt nicht nur ideell sondern auch finanziell erheblich unterstützt“, zeigt sich der DFB Präsident begeistert vom Miteinander, das der Fußball wieder einmal initiiert hat. Ein weiteres Trainingslager wird bereits im September wieder in Koblenz stattfinden, damit wird die Nachhaltigkeit, die hinter der Idee steckt, schon kurzfristig dokumentiert.


„Wir sind unendlich dankbar“, betont Jean-Bosco Kazura immer wieder, „denn in Deutschland wird nicht nur geredet sondern gemacht.“ Der ruandische Fußballpräsident weilt derzeit mit seinem Generalsekretär Jules Kalisa und der verantwortlichen für den Frauenfußball Lilianne Uwimpuhve ebenfalls in Koblenz, um mit Hilfe des DFB und des „FKV 06“ ein besseres Bild von der Organisation des Fußballs in Deutschland zu bekommen. „Speziell im Frauenfuball kann in kurzer Zeit viel bewegt werden“, urteilt Dr. Zwanziger, der wie sein ruandisches Pendant von einer eventuellen Teilnahme der ruandischen Frauennationalmannschaft an der WM 2011 spricht. Auch um diese Entwicklung wird sich Michael Weiß als Technischer Direktor nach seiner Abreise vor Ort kümmern. „Das Potential ist vorhanden“ betont Eugene-Richard Gasana der ruandische Botschafter in Deutschland, der mit Stolz von einer emanzipierten ruandischen Gesellschaft spricht.


In der Breite wirken sollen ausgewählte ruandische Lehrer, die ab dem 18. April in Koblenz einen internationalen Trainerlehrgang besuchen werden. Dessen nicht genug, werden diese Lehrer im August und September in Ruanda an ihren Schulen von deutschen Trainern unterstützt, um ihr Wissen weiterzugeben. „Der Fußball kann das Miteinander in Ruanda, das weitere Zusammenwachsen einer einst gespaltenen Gesellschaft enorm forcieren“, unterstreicht Staatsekretär Roger Lewentz die Bedeutung dieses Projekts, das perfekt passt in das 25-jährige Jubiläumsjahr der Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda. Der DFB Präsident verrät, dass noch weiteren afrikanischen Ländern geholfen werden soll, „aber dass wir Ruanda im Besonderen unterstützen ist mir eine Herzensangelegenheit, zumal ich weiß, dass dort fähige Leute Angebote nicht nur annehmen, sondern ausweiten.“ Im Rahmen der fast 90-minütigen illustren Runde wurde immer wieder die Fußball WM 2006 in Erinnerung gerufen, als bestes Beispiel für die Wirkung des Fußballs über das Spiel hinaus. „Fußballweltmeisterschaften gab es schon viele und es wird noch zahlreiche geben, aber dass Fußball mehr als nur ein 1 : 0 ist und auch mehr als ein Spiel oder Turnier wissen wir spätestens, seit Egidius Braun diesen Slogan geprägt hat“, sinniert der FKV Vorsitzende Walter Desch, „dies ist uns, wie auch den Freunden aus Ruanda Antrieb und Ziel.“

Thomas Theisen
Geschäftsführer FKV 06