Coaches for Rwanda

FVR-Vizepräsident Alois Stroh und FVR-Referent Uli Klar führen in Afrika vier Lehrgänge durch

Die Weltmeisterschaft der U17-Junioren in Mexiko im Juni dieses Jahres bot Alois Stroh und seinen Mitstreitern gleich zwei Gründe, ein stolzes Lächeln im Gesicht zu haben. Da war zum einen die deutsche Mannschaft, die sich in beeindruckender Manier den dritten Platz sicherte. Aber da war eben auch die Auswahl Ruandas, die erstmals an einem solchen Turnier teilnahm – und das ohne Frage als einen großen Erfolg feiern durfte, ganz unabhängig von ihrem Abschneiden. Ein Erfolg, den sich ein wenig auch Alois Stroh, Vizepräsident des Fußballverbandes Rheinland für Qualifizierung, Vereinsberatung und Freizeit- und Breitensport, und sein Team ans Revers heften dürfen.
Seit 2001 werden von ihm und seinen Mitstreitern in Ruanda Trainer ausgebildet. In den Jahren 2001 und 2004 noch über den Landessportbund organisiert, wurde der Lehrgang seit dem Mitwirken des DFB im Jahr 2007 auf eine andere, größere Ebene gehoben. Seitdem ist der Fußball- und Kulturverein 2006 (FKV 06) federführend in der Organisation, da Ruanda das Partnerland von Rheinland-Pfalz ist. „Im Jahr 2007 sind wir, um die C-Lizenz aufzubauen, mit fünf Trainern in Ruanda gewesen, in fünf verschiedenen Provinzen, vier Wochen lang, und haben dort 20 Lehrgänge á 30 Teilnehmer abgehalten“, berichtet Stroh. „Das gleiche haben wir 2008 mit zwei Trainern gemacht, allerdings haben wir dann auch einen Lehrgang mit den Besten der Basis-Lehrgänge, einen sogenannten B-Lizenz-Lehrgang durchgeführt.“ Den gab es auch im Jahr darauf, ebenso wie einen Basis-Lehrgang nur für Frauen, der ebenfalls sehr gut besucht war. Der für 2010 geplante Lehrgang fand aus politischen Gründen – die Situation im Land war aufgrund von Präsidentenwahlen nicht stabil genug – nicht statt. Am 27. Oktober dieses Jahres aber machte sich Stroh bis zum 26. November ein nächstes Mal auf den Weg nach Ruanda, dieses Mal mit Uli Klar, der im FV Rheinland als Referent und Auswahltrainer Mädchen tätig ist. Viereinhalb Wochen Afrika: eine weitere erlebenswerte Erfahrung.
 

„Wir werden zusammen vier Lehrgänge á zwei Wochen machen, das sind die sogenannten C-Lehrgänge, die vom Afrikanischen Fußballverband CAF auch so anerkannt werden und die wir seit 2007 so aufgebaut haben. Zwei Lehrgänge werden in Kigali sein, einer Butare und einer in Gisenyi. Die Inhalte und auch die Lizensierung wurden anerkannt, und die Trainer, die wir ausbilden, können mittlerweile in ganz Afrika Mannschaften übernehmen“, sagt Stroh. Die Inhalte des Lehrgangs wurden nun ein wenig erweitert, angelehnt an die Trainerlehrgänge im Fußballverband Rheinland. Die Ausbildung von Kindern spielt dabei eine wichtige Rolle, und so sind in diesem Jahr viele Lehrer dabei, weil in Ruanda ein Schulprojekt läuft, in dessen Rahmen die Schulen gegeneinander spielen und Schulmeisterschaften austragen. Dazu muss man wissen, dass sich in Ruanda der organisierte Spielbetrieb unterhalb der U17 ausschließlich auf dem Schulsektor abspielt. „Umso wichtiger werden dann die Lehrer, auch um die Talente zu sichten, die dann auch in den zwei, drei Akademien gefördert werden können. Geplant sind 100 Lehrgangsteilnehmer, aber ich denke, es werden mehr sein“, meint Stroh. Ausgewählt werden die Teilnehmer über das dortige Bildungsministerium, Sportministerium und über die Ferwafa, den ruandischen Fußballverband. Die Organisation vor Ort übernimmt Andreas Spier, der vom DFB in Ruanda im Einsatz ist. So muss beispielsweise dem Materialnotstand in Ruanda Rechnung getragen werden: Bezüglich des Inhalts des Lehrgangs muss darauf geachtet werden, dass Übungen angeboten werden, die wenige Bälle erfordern.
Nichts Neues für Alois Stroh, der in diesem Jahr bereits zum siebten Mal in Ruanda zum Einsatz kommen wird. Uli Klar hingegen wird zum ersten Mal mit dabei sein. „Basierend auf den positiven Erfahrungen, die ich hier in der Trainerausbildung gemacht habe, habe ich mich gefragt: Was könnte mich auch menschlich auf dieser Ebene weiterbringen? So kam ich auf die Lehrgänge in Ruanda, weil Alois mir davon erzählt hatte; Verbandstrainer Clemens Decker war ja auch schon mal dabei“, sagt Klar. „Ich möchte in Ruanda das tun, was ich hier auch tue – und das unter anderen sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen.“
So ein Lehrgang – und damit der Aufenthalt der beiden Ausbilder für viereinhalb Wochen – muss natürlich auch finanziert werden, sprich: Hotelkosten, Verpflegungskosten, Kommunikationskosten, Transfer vor Ort, der Flug nach Ruanda und einiges an Material für die Kurse. „Natürlich kann das der FKV 06 nicht komplett aus Eigenmitteln finanzieren, sodass wir sehr dankbar sind, Partner und Unterstützer zu haben. Bei diesem Projekt ist da in erster Linie das Land Rheinland-Pfalz zu nennen, was auch mit der langjährigen Partnerschaft mit Ruanda zusammenhängt. Und auch der DFB sowie Lotto Rheinland-Pfalz bringen da einen wichtigen Teil ein“, sagt Lars Maylandt, Geschäftsführer des FKV 06 und hauptamtlicher Mitarbeiter des Fußballverbandes Rheinland, zuständig unter anderem für den Bereich Internationales. „Die Partnerschaft zum Ruandischen Fußballbund läuft federführend über den DFB, aber verschiedene Bereiche wie beispielsweise die Ausbildung von Trainern im Breitenfußball wird durch den FKV 06 durchgeführt, genauso wie die Unterstützung in Sachen Schulfußballwettbewerbe.“
Eine Unterstützung, die in Ruanda enorme Fortschritte ermöglicht – sowohl was den Fußball allgemein als auch die Ausbildung der Trainer anbelangt. „Wir hatten in den vergangenen Jahren Leute in diesen Lehrgängen, die danach ein offizielles Zertifikat erhalten haben – und durch dieses Zertifikat eine Festanstellung in einer Schule bekommen haben“, berichtet Alois Stroh. „Ich freue mich riesig auf den neuen Lehrgang. Die Erwartungshaltung der Menschen uns gegenüber ist riesig, aber sie werden nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil. Was wir ihnen da unten beibringen, das verblüfft sie immer wieder, weil sie solche Trainingsmethoden einfach nicht kennen. Und ihre Bereitschaft zu lernen ist riesig.“ Wer weiß: Vielleicht war die erste WM-Teilnahme einer ruandischen U17-Nationalmannschaft erst der Anfang.

Frank Jellinek

Coaches for Rwanda: Andreas Spier (Mitte), der heute für den DFB in Ruanda engagiert ist, bei der Lizenzübergabe an ruandische Trainer im Jahr 2007